Posse


Posse

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Pos|se ['pɔsə], die; -, -n:
derbe, [ironisch] übertreibende Komödie:
das Bauerntheater spielte eine Posse.
Syn.: Komödie, Lustspiel.

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Pọs|se 〈f. 19anspruchslose, derbe Komödie, in der die Komik meist durch Übertreibung erreicht wird [<frühnhd. bosse, posse „Zierrat, Beiwerk an Kunstdenkmälern“ <spätmhd. possen „Figur“ <frz. (ouvrage à) bosse „erhabene Arbeit“ <galloroman. *bottia „Schwellung“; zu afränk. *botan „ausschlagen, sprießen“; zuerst „Scherzfiguren an öffentl. Brunnen“]

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Pọs|se, die; -, -n [gek. aus Possenspiel, Possen]:
derbkomisches, volkstümliches Bühnenstück:
eine P. aufführen;
Ü die Diskussion geriet zur P.

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Pọsse,
 
Bezeichnung für verschiedene Formen des volkstümlichen komischen Theaters in der neuzeitlichen Literatur; heute zum Teil gleichbedeutend mit Farce verwendet. Kennzeichnend sind einfaches Handlungsgefüge, Situations- oder Charakterkomik und der Verzicht auf Belehrung; im Mittelpunkt steht meist die komische Person in ihren verschiedensten historischen und lokalen Ausprägungen. Die als Posse bezeichneten Stücke stehen in der Tradition des Mimus, des Fastnachtsspiels und der Commedia dell'Arte. Die Gattungsbezeichnung »Posse« begegnet zuerst im 17. Jahrhundert für die kurzen, derbkomischen Nachspiele der Wanderbühnen (ältester Beleg ist das Stückeverzeichnis der veltenschen Truppe, das für 1679 die Aufführung der »Posse von Münch und Pickelhäring« festhält). Mit J. C. Gottscheds Theaterreform wurde die komische Person 1737 exemplarisch von der Bühne verbannt (in Österreich v. a. in den 1770er-Jahren durch J. von Sonnenfels) und der Posse die sächsische Komödie als aufklärerisches Typendrama entgegengesetzt. Als Posse werden die danach aus dem Französischen übersetzten komischen Einakter bezeichnet. In deren Tradition stehen einzelne deutsche Produktionen der Zeit um 1800 (A. von Kotzebue) und der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts (E. Raupach, H. Laube). Eine bedeutende Stellung nimmt das Volkstheater ein, das aufgrund lokaler Traditionen (Lokalstück) bis weit ins 19. Jahrhundert an der komischen Person festhielt. Im volkstümlichen Rahmen entwickelte sich auch, innerhalb des Wiener Volkstheaters, seit Anfang des 18. Jahrhunderts die von J. A. Stranitzkys »Hans Wurst« (Hanswurst) eingeleitete Wiener Lokalposse (u. a. A. Bäuerle, Anton Hasenhuth, * 1760, ✝ 1841, J. J. Laroche, E. Schikaneder, Matthias Stegmayer, * 1771, ✝ 1820). Einen Höhepunkt stellen hier die Possen von J. N. Nestroy dar. Zur Wiener Lokalposse gehört auch die Zauberposse, die durch das Eingreifen guter und böser Feen und Geister in die Handlung charakterisiert ist, wie z. B. in Nestroys »Der böse Geist Lumpazivagabundus« (1835).
 

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Pọs|se, die; -, -n [gek. aus Possenspiel, ↑Possen]: derb-komisches, volkstümliches Bühnenstück: eine P. mit Musik; eine P. aufführen; Ü Eine richtige P. war das ..., weil die ja gar nicht wussten, was sie mit uns machen sollten (Kempowski, Uns 133); die Diskussion geriet zur P.

Universal-Lexikon. 2012.

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